Einfamilienhausbrand

Am 12. April 2012 ereignete sich in einem Einfamilienwohnhaus in Mitterlaßnitzberg, Gemeinde Nestelbach bei Graz ein Brandgeschehen, welches den gesamten Wohntrakt zerstört hat.
Durch die Einsatzkräfte der insgesamt acht beigezogenen Freiwilligen Feuerwehren konnte der vollständige Abbrand des Wohnhaustraktes nicht verhindert werden; sehr wohl ein Übergreifen auf das angrenzende Wirtschafts- bzw. Stallgebäude. Das Wohnhaus bestand aus einem Kellergeschoß, Erdgeschoß und ausgebauten Dachgeschoß. Zum Wirtschafts- und Stallgebäude war im Bereich der Hofdurchfahrt eine massive und über Dach geführte Brandwand. Diese Brandwand konnte in Verbindung mit dem Einsatz der Feuerwehrkräfte ein Übergreifen des Brandgeschehens vom Wohnhaus auf das Wirtschafts- bzw. Stallgebäude verhindern. Bei dem zur Gänze durch das Brandgeschehen zerstörten Wohnhaus handelt es sich um einen Altbestand, welcher im Zuge einer Revitalisierung zur Gänze umgebaut bzw. erweitert wurde. Sämtliche Außenwände wurden nach Angabe sowie auf Grund der Feststellungen vor Ort mit einer hinterlüfteten Strohdämmung und einer Holzfassade ausgeführt. Das gesamte Einfamilienhaus wurde mit einer holzbefeuerten Zentralheizung versorgt. Zusätzlich wurde im Herbst 2011 im Wohnzimmer ein holzbefeuerter Einzelofen „Schwedenofen“ aufgestellt. Auf Grund der seitens der Einsatzkräfte der Feuerwehr zur Verfügung gestellten Fotos, insbesondere der Angaben der Flugrettung sowie der Brandentdeckung wird von einer Brandentstehung im Bereich des Einzelofens bzw. des Außenrauchfanges ausgegangen.
 
Im Zuge der Rekonstruierung des Aufstellungsortes und der Rauchgasableitungsführung wurde festgestellt, dass der Einzelofen unmittelbar neben einer massiven Wandkonstruktion des Altbestandes im südöstlichen Eckbereich des Wohnhauses aufgestellt war. Die Rauchgasableitung vom Einzelofen erfolgte über ein metallisches ungefähr waagrechtes Verbindungsstück durch eine Holzriegelwandkonstruktion sowie in weiterer Folge mittels eines gedämmten, doppelwandigen Verbindungsstücks durch die Stroh gedämmte Außenwandkonstruktion. Die erste Durchführung erfolgte durch eine Holzriegelwandkonstruktion, welche zwischen dem massiven Mauerwerk und der Glasfassade vorhanden war. Im Anschluss an diese Holzriegelwandkonstruktion befand sich die hinterlüftete Strohaußenwandkonstruktion mit einer Holzaußenverschalung. Die Gesamtstärke dieser Außenwandkonstruktion betrug cirka 55 cm. An der hölzernen Außenfassade war ein doppelwandiger Edelstahlrauchfang an der Holzkonstruktion montiert, wobei dieser im Bereich des Dachvorsprunges (Traufe) einen Verzug hatte und in weiterer Folge senkrecht über Dach geführt wurde.
 
 
Nach Angabe des Betroffenen handelte es sich bei der Wanddurchführung um ein geprüftes und zugelassenes System. Angaben hinsichtlich der Herkunft des Verbindungsstückes sowie des Edelstahlrauchfanges konnten nicht gemacht werden. Nach Angabe der Eigentümer wurde der Einzelofen (Schwedenofen) am Tag des Brandgeschehens um cirka 10:00 Uhr eingeheizt. Die Brandentdeckung erfolgte um cirka 12:45 Uhr. Auf Grund der zur Verfügung gestellten Fotos der Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Rekonstruktion des im Bereich des im Wohnraum aufgestellten Festbrennstoffeinzelofens wurde die Brandausbruchsstelle eindeutig im Bereich der Wanddurchführung festgestellt. In Folge des zeitlichen Ablaufes zwischen der Inbetriebnahme des Einzelofens um ca. 10:00 Uhr und der Brandentdeckung um ca. 12:45 Uhr kann davon ausgegangen werden, dass auf Gund der Wärmeabstrahlung des Verbindungsstückes es zu einer Entzündung des Strohes innerhalb der Außenwand gekommen ist. Das im Nahbereich des Verbindungsstückes anliegende Stroh dürfte im Verlauf der Heizperiode seit Herbst 2011 kontinuierlich erwärmt worden sein und einen pyrophoren Zustand erreicht haben. Durch diesen wird die Zündtemperatur solange verringert, bis es zu einer Entzündung des brennbaren Materiales (Stroh) kommt.
 
Aus brandschutztechnischer Sicht wird festgehalten, dass es sich vermutlich um eine unzulässige Rauchgasdurchführung sowohl durch die Holzriegelwand und insbesondere der strohgedämmten Außenwand gehandelt hat. Es wird auch bezweifelt, dass sich bei dem verbauten Stroh um ein zugelassenes Bauprodukt gemäß dem Bauproduktgesetz 2000 handelt. Durch diese Strohdämmung kam es zu einer raschen Brandausbreitung innerhalb der Außenwandkonstruktion, welche seitens der Einsatzkräfte der Feuerwehren nicht gelöscht werden konnte.
Hinweis:

Steiermärkisches Feuerpolizeigesetz 1985

(LGBl. Nr. 13/2011) [seit 18.02.12 außer Kraft]

§ 13 Feuerstätten

(1) Im Nah- bzw. Gefahrenbereich von Feuerstätten (Öfen, Herden, Heizkesseln usw.) dürfen leicht entzündbare, leicht entflammbare oder explosive Stoffe weder verarbeitet noch gelagert werden.

Steiermärkisches Feuer- und Gefahrenpolizeigesetz – StFGPG: 2012

§ 8 StFGPG: Feuerstätten

(1) Im Nah- bzw. Gefahrenbereich von Feuerstätten (Öfen, Herden, Heizkesseln usw.) dürfen leicht entzündbare, leicht entflammbare oder explosive Stoffe weder verarbeitet noch gelagert werden.

 

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